Drei Schritte zum Engagement mit Sozialen Medien

Dies ist der zweite von drei Teilen meines Gastbeitrages (PDF) im BBE Newsletter Nr. 6. Im ersten Teil “Drei Vorteile von Sozialen Medien für das Engagement” habe ich die Mechaniken von Sozialen Medien erläutert.

Ich nutze seit 1993 das Internet. In dieser Zeit bin ich von einer aktiven zu einer sehr passiven und wieder zu einer aktiven Nutzung gewechselt. Als Soziale Netzwerke populärer wurden, hatte  ich sie gemieden. Erst als ich Kinder bekam, wurde mir klar, dass ich zwar die Möglichkeit habe, mich gegen oder für die Nutzung Sozialer Netzwerke zu entscheiden, meine Kinder diese Entscheidung jedoch nicht so einfach treffen können. Für sie bedeutet Soziale Netzwerke nicht zu nutzen ein Ausschluss von vielen gesellschaftlichen Aktivitäten.

Ich bin der Meinung Soziale Organisationen sollten das Internet und insbesondere Sozialen Medien nutzen, um mit ihren Unterstützern zu kommunizieren. Für viele Menschen ist diese Art der Kommunikation bereits in ihrem Alltag integriert. Vor allem die Generation Y, die mit dem Internet aufgewachsen ist, macht sich keine theoretischen Gedanken zu ihrer Internetnutzung, sondern verwendet die Werkzeuge einfach. Um diese Menschen zu erreichen, lässt man sich am besten auf ihre Art der Kommunikation ein.

Die erstern Schritte

Wenn man noch keine Sozialen Netzwerke genutzt hat, ist die Flut der Informationen und der Funktionsumfang am Anfang erdrückend. Mit den Informationen umzugehen, muss gelernt werden wie das Lesen einer Zeitung. Ein Buch ließt man meist von vorne bis hinten. Eine Zeitung dagegen selektiv. Welche Artikel interessant sind, findet jeder für sich selber heraus. Die folgenden drei Schritte erleichtern den Umgang mit Sozialen Medien:

  • Erster Schritt: Umschauen und verstehen
  • Zweiter Schritt: Teilnehmen und Teilen
  • Dritter Schritt: Inhalte erzeugen

Erster Schritt: Umschauen und verstehen

Der erste Schritt zur Teilnahme an Sozialen Netzwerken ist das passive Beobachten. Lesen was einen interessiert und alles andere überspringen. Oft werden Soziale Netzwerke als rein private Kommunikationsplattformen gesehen. Es ist aber auch möglich, Soziale Medien als Informationskanal zu nutzen. Dies geschieht durch Folgen oder „Liken“ einzelner Personen oder Organisation. Auf diese Weise wird ein ganz persönlicher Informationskanal geschaffen, ähnlich einer Zeitung, dessen Inhalt nur die eigenen Interessen umfasst. Die empfangenden Informationen werden immer besser an den eigenen Interessen angepasst.

Zweiter Schritt: Teilnehmen und Teilen

Mit der Zeit wächst oft der Wunsch, interessante Informationen und Geschichten mit  anderen zu teilen. Dies ist der erste Stritt zum aktiven Teilnehmer des Netzwerks. Es ist jedoch entscheidend, mit wem die Information geteilt wird.

  1. Mit meinen „Freunden“ teilen.
  2. An eine Gruppe senden.
  3. Öffentlich teilen.

Wenn Nachrichten nur an einem zuvor festgelegten Personenkreis geteilt werden, entspricht das einer Unterhaltung mit Freunden bei einer privaten Party. Durch das Verschicken an eine bestimmte Gruppe, werden auch Menschen außerhalb des eigenen Netzwerks erreicht. Die Entscheidung, ob die Nachricht in die jeweilige Gruppe hinein passt, ist jedoch nicht immer einfach zu beantworten. Besser ist es, die Informationen öffentlich zu teilen. Bei dieser Art zu Teilen gibt man jeden die Möglichkeit, den dadurch entstehenden Informationskanal zu verfolgen.

Eine gute Erläuterung der Mechaniken von Sozialen Netzwerken, in Hinblick auf die Verbreitung der eigenen Inhalte, gibt das Buch „Crush It!“ von Gary Vaynerchuk.

Dritter Schritt: Inhalte erzeugen

Beim Anschauen der Werbung und Präsentation von großen Firmen und deren Produkte wird sichtbar, dass es immer weniger um das Produkt selber, sondern um ein Erlebnis geht. Es werden Geschichten erzählt, die Emotionen hervorrufen.

Soziale Organisationen haben hier einen riesigen Vorteil, den sie leider noch nicht zu Genüge nutzen. Sie müssen sich keine Geschichten zu ihrem Produkt ausdenken. Sie können emotionale Geschichten und Erlebnisse aus den Erlebten erzählen. Während Firmen durch die Werbung ihr Produkt verkaufen wollen, ist das Ziel von sozialen Organisationen u.a. Unterstützer zu finden.

Dies wird am besten mit Hilfe der folgenden Punkten erreicht:

  • Den Empfänger über eine Geschichte auf der persönlichen und emotionalen Ebene ansprechen.
  • Ihm eine einfache und offensichtliche Möglichkeit geben, Teil der Geschichte zu werden.
  • Die Geschichte ist so geschrieben, dass der Teilende in einem positiven Licht gerückt wird.

Der Kontakt zu anderen wird am besten über zwischenmenschliche Emotionen und Geschichten erreicht. Förmliche Bekanntmachung sind zwar informativ, laden aber nicht zum Teilen ein. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Nachricht gerne geteilt wird, erhöht sich durch Emotionen und das Gefühl die Welt durch das Teilen ein bisschen verbessern zu können. Zwei extreme Beispiele, die auf diese Weise eine Nachricht erzeugten, die sich viral verbreitete, waren die „ALS Ice Bucket Challenge“ und das Video „Kony 2012“. Beide nutzten auf sehr unterschiedliche Weise Emotionen, gaben die Möglichkeit Teil der Aktion zu werden und ermöglichten den Teilenden in einem positiven Licht zu stehen.

Mehr Informationen über die Herangehensweise, die eigene Nachricht wirkungsvoll zu verbreiten, sind in den Büchern „Made to Stick“ von Chip Heath und Dan Heath, und „Contagious“ von Jonah Berger beschrieben.

Wie waren deine ersten Schritte in Sozialen Netzwerken?

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